Damit Medikamente auch wirken: Einnahmefehler vermeiden

Broschüre für Angehörige von älteren und chronisch kranken Patienten

Bonn, 18.05.09 Fast die Hälfte aller Patienten in Deutschland nimmt Medikamente falsch, unregelmäßig oder gar nicht ein. Ein ungünstiger Krankheitsverlauf, unnötige Krankenhausaufenthalte und eine enorme finanzielle Belastung des Gesundheitssystems sind die Folge. Wo die Ursachen mangelnder Therapietreue zu suchen sind und welche Maßnahmen Abhilfe schaffen können, erläutert eine Broschüre der Deutschen Seniorenliga.

Damit ein Medikament wie vorgesehen wirken kann, muss es zum richtigen Zeitpunkt in der vorgegebenen Dosierung eingenommen werden. Vor allem älteren Patienten, die häufig an mehreren Erkrankungen gleichzeitig leiden und daher auf verschiedene Medikamente angewiesen sind, fällt dies oftmals schwer. Komplexe Einnahmevorschriften und ähnliches Aussehen unterschiedlicher Medikamente tun ein Übriges. „Es wird Zeit, die Patienten und die mit der Pflege betrauten Personen dabei zu unterstützen, sich an die Vorgaben des Arztes zu halten“, so Erhard Hackler, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Seniorenliga in Bonn.

Worauf der Hausarzt achten sollte

Grundstein für eine gute Therapietreue ist der Hausarzt, der das volle Vertrauen seiner Patienten genießt. „Fragen zur richtigen Einnahme, Zweifel an der Wirkung eines Medikaments oder die Angst vor Nebenwirkungen sollten offen angesprochen werden“, so Hackler. „Wie soll der Arzt den Verlauf einer Erkrankung beurteilen, wenn sein Patient sich die Medikamente zwar verschreiben lässt, sie dann aber falsch oder gar nicht einnimmt?“. Ein guter Arzt achtet darauf, dass die Vorgaben zur Einnahme praktikabel sind und sich mit dem Tagesrhythmus des Patienten in Einklang bringen lassen. So verschreibt er bei gleicher Wirkung bevorzugt das Medikament, das nur ein- oder zweimal am Tag eingenommen wird und einfach zu handhaben ist. Damit seine Erklärungen auch ankommen, sollte der Arzt auf eine verständliche Sprache achten. Dennoch ist es sinnvoll, dass vor allem sehr alte oder verwirrte Patienten in Begleitung ins Behandlungszimmer gehen. Gleiches gilt für den Apothekenbesuch, denn auch der Apotheker gibt wichtige Hinweise zur richtigen Medikamenteneinnahme. Ratsam ist es, stets bei derselben Apotheke einzukaufen. Denn ein Apotheker, der alle Rezepte seiner Kunden kennt, kann sich einen Überblick über deren Medikation verschaffen und individuell beraten.

Praktische Helfer für Zuhause

Eine ganze Reihe praktischer Helfer kann die richtige Einnahme von Medikamenten erleichtern, etwa Erinnerungshilfen wie Kalender oder Alarmsysteme sowie Dosierungshilfen, in die alle Medikamente nach Einnahmezeiten getrennt einsortiert werden. Noch komfortabler ist das neuartige Konzept der Wochenblister, den die Apotheke für ihren Patienten individuell bestellt: Hier sind die verordneten Tabletten und Kapseln für sieben Tage und die vier Einnahmezeiten morgens, mittags, abends, nachts bereits vorsortiert. Der Patient erhält von seiner Apotheke jede Woche den fertigen Wochenblister und muss die Medikamente lediglich zur entsprechenden Tageszeit dem jeweiligen Fach entnehmen. Vorreiter für das neue Wochenblistersystem ist zum Beispiel das Saarland, wo Mitglieder einiger privater Krankenversicherungen bereits jetzt die Wochenblister erhalten können. Gesetzlich Versicherte können erstmals in Sachsen im Rahmen eines Pilotprojekts mit dem Wochenblister versorgt werden. Ziel ist es, das System künftig bundesweit chronisch Kranken oder älteren Patienten zur Verfügung zu stellen.

Nähere Informationen zum Wochenblistersystem sowie Vorschläge für eine bessere, auf den Patienten abgestimmte Medikamentenversorgung enthält eine neue, kostenlose Broschüre der Deutschen Seniorenliga e.V. in Bonn. Bestelladresse: „Medikamente richtig einnehmen“, Deutsche Seniorenliga e.V., Heilsbachstraße 32, 53123 Bonn; www.medizin-richtig-einnehmen.de.